Liberalismus und direkte Demokratie: Ein Weg zur Begrenzung politischer Macht? - eigentümlich frei



Für "den liberalen Rechtsstaatsbegriff im Allgemeinen, der von allen demokratischen Parteien getragen wird, gilt das Mehrheitsvotum niemals absolut. Die Wirksamkeit des Mehrheitsvotums wird durch die Grundrechte und durch die Sicherstellung der institutionellen Funktionsfähigkeit eingeschränkt. Privates sollte privat entschieden werden und nur öffentliche Angelegenheiten gehören in die Entscheidungskompetenz demokratischer Mehrheiten. Diese Einschränkungen betreffen sowohl die direkte als auch die repräsentative Demokratie. Wenn diese Einschränkungen gewährleistet sind, gibt es kein grundsätzliches Argument dafür, die eine Form der Demokratie der anderen vorzuziehen. Entscheidend ist die Frage der praktischen Umsetzbarkeit.

Die Herausforderungen, vor denen die repräsentative Demokratie in der Bundesrepublik steht, sind die Abgabe von Kompetenzen an die europäische Ebene, die Neigung zum Konsens zwischen den Parteien (etwa: Europa, Kernkraft und so weiter), die Frage der Legitimität der Verlagerung von Souveränitätsrechten und der Wunsch der Bevölkerung nach einer stärkeren Bürgerbeteiligung. Ob direktdemokratische Elemente zu einer Verbesserung der Bürgerbeteiligung und der Akzeptanz der Demokratie führen, das hängt von der konkreten Ausgestaltung des Prozesses ab. Das italienische Modell lässt sich einfacher auf die Zustände der Bundesrepublik übertragen als das der Schweiz. Denn wie die Bundesrepublik ist auch Italien ein Großstaat mit parlamentarischer Demokratie, aber mit starkem direktdemokratischem Strang. Imperfekte Gesetzesinitiative, fakultatives Referendum und das obligatorische Verfassungsreferendum wären Elemente, über deren Einführung in der Bundesrepublik man ernsthaft diskutieren sollte."

Liberalismus und direkte Demokratie: Ein Weg zur Begrenzung politischer Macht?
Eine Reflexion über Machtgleichgewicht und Mehrheitsprinzip
03. August 2012, von Gérard Bökenkamp, eigentümlich frei

http://ef-magazin.de/2012/08/03/3630-liberalismus-und-direkte-demokratie...

"Literatur:

Theo Schiller: Direkte Demokratie. Eine Einführung, Frankfurt a. M 2002.
Anna Capretti: Direkte Demokratie in Italien, in: Hermann K. Heußer, Otmar Jung (Hg.): Mehr direkte Demokratie wagen. Volksentscheid und Bürgerentscheid, München 2009.
Hermann K. Heußner: Mehr als ein Jahrhundert Volksgesetzgebung in den USA, in: Heußner, Jung: Mehr direkte Demokratie wagen, München 2009, S. 146."

Kommentare

Bild des Benutzers Otto Pardey

Die Macht geht vom Volke aus und dazu gehört die Volksabstimmung ein wesentlicher
Bestandteil von Demokratie bzw. Liberalismus!
In Deutschland stellt sich das wie folgt dar,
die Bürger als Wahlvieh und Gefangene in einer Parteien-Diktatur.

Bild des Benutzers Otto Pardey

In erster Linie muss in Deutschland die UN-Resolution
umgesetzt werden,
welche die Bestechung von Abgeordneten unter
Strafe stellen.
Gegen diese UN-Richtlinien verweigern
sich deutsche Politiker!