"Das Aufblühen einer menschlichen Gesellschaft hängt von zwei Faktoren ab: Der intellektuellen Kr
Für den Ökonomen Hans-Werner Sinn ist der Zug in Richtung Transferunion abgefahren. „Die Rettungsschirme werden in Kürze verbraucht sein“, sagt er im Gespräch mit der F.A.Z. Im Endeffekt würden dreieinhalb Billionen Euro Staatsschulden der Südländer vergemeinschaftet.
Im Gespräch: Ökonom Hans-Werner Sinn
„Wir sitzen in der Falle“
18.02.2012, FAZ
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/im-gespraech-oe...
[..] Was haben die Griechen denn in den zwei Jahren mit ihren Sparanstrengungen erreicht?
Das große Problem nicht nur in Griechenland, sei, dass man in den zwei Jahren mit Sparanstrengungen nichts erreicht habe. Vor der Krise seien die Preise in den peripheren Ländern und Italien durch den billigen Kredit, den ihnen der Euro brachte, explodiert, so Hans-Werner Sinn. Kreditfinanziert seien die Löhne erhöht worden, wären Leistungsbilanzdefizite entstanden. Das Geld für den Importüberhang habe man sich im Ausland geliehen. Das sei so lange gut gegangen, bis die amerikanische Finanzkrise nach Europa gekommen sei. Dann ist die Blase geplatzt. Die Preise seinen aber heute noch die Preise vom Zeitpunkt des Platzens der Blase, aber eben keine keine Gleichgewichtspreise, die Preise müssen runter. "Wir brauchten normalerweise eine Wechselkursanpassung. Aber die gibt es im Euro nicht. Also muss man das gleiche durch eine relative Preissenkung im Vergleich zu den Wettbewerbern im Euroraum leisten."
[...] Wir hören seit zwei Jahren, wie schlimm die Sparauflagen sind. Tatsächlich ist an interner Abwertung nichts passiert?
Nein. Obwohl man um eine zweistellige Rate runter müsste, ist das spanische Preisniveau in der Krise um gerade mal ein Prozent gegenüber den Wettbewerbern gefallen. Italien und Portugal sind sogar noch teurer geworden, als sie ohnehin schon waren. Das Beharren auf falschen Preisen ist das Hauptproblem der Eurozone. Daran kann sie zerbrechen. Das Schuldenproblem verblasst dagegen. Die südeuropäischen Länder sind der Lösung ihrer Probleme bislang kein bisschen nähergekommen. Sie sollten sich an Irland ein Beispiel nehmen. Irland hat die Preise in den letzten fünf Jahren um 16 Prozent gegenüber seinen Handelspartnern gesenkt.
Das Land hatte ein hohes Leistungsbilanzdefizit von bald 4 Prozent des Bruttoinlandsprodukts, jetzt hat es schon wieder einen Überschuss. Deshalb schöpfen die Märkte neues Vertrauen. Damit Griechenland den irischen Erfolg erzielt, müsste es aber fast 50 Prozent abwerten, weil das griechische Leistungsbilanzdefizit mehr als dreimal so groß war wie das irische. Dieser Weg ist zu weit. Das kriegen die Griechen nie im Leben hin, denn sie haben starke Gewerkschaften. Es fehlt ihnen mangels Exporten die Exportlobby, die eine reale Abwertung verlangen könnte, um wettbewerbsfähig zu werden. Statt dessen haben wir nur eine Importlobby, die sich der realen Abwertung widersetzt, weil die ihr Geschäft kaputt macht. [...]
Frau Merkel wird von der Wall Street, Obama, der City of London, Sarkozy, Barroso und allen Staatschefs der südlichen Länder gedrängt, den Anlegern über die Bad Bank in Luxemburg, die letztes Jahr gegründet wurde (die EFSF; die Redaktion), ihre toxischen Staatspapiere abzukaufen. Dagegen hat sie die Strategie des Durchwurstelns entwickelt. Sie macht ihr Portemonnaie auf, wenn der Druck zu groß wird, aber sie gibt nicht alles her, was sie hat, weil sie weiß, dass ihre Freunde dann kein Interesse mehr an ihr haben. Sie versucht ihr Bestes. Aber wir sitzen trotzdem in der Falle.
Im Gespräch: Ökonom Hans-Werner Sinn - FAZ
http://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftspolitik/im-gespraech-oe...
Neuen Kommentar schreiben