Betreuungsgeld-Diskussion seitens der Piratenpartei: Agitation gegen die Erziehung von Kindern durch die eigenen Eltern



Das Thema Betreuungsgeld vs. Kinderkrippe scheint bei vielen Meinungsveröffentlichern die Strukturiertheit des Denkens negativ zu beeinflussen, so auch hier. Unter dem Vorwand, eine angebliche Bevormundung abzulehnen, wird in peinlichster Art und Weise Propaganda zugunsten der Abgabe von Kleinkindern in Kinderkrippen gemacht, damit die Mütter (bzw. Eltern) arbeiten gehen können. Die Argumentationslogik bleibt dabei vorsätzlich auf der Strecke, sie wird sogar komplett ins Gegenteil verdreht (eine Erweiterung der Wahlfreiheit wird als "Bevormundung" disqualifiziert). Gleichzeitig wird das Erziehen der eigenen Kinder in einer Weise diffamiert, die für frei denkende Menschen nur schwer erträglich ist.

Als angeblich freiheitlich orientiert kann die Piratenpartei bei dieser Thematik eigentlich nur zwei Standpunkte einnehmen bzw. eine Variante dazwischen:

1. Sie kann sich konsequent freiheitlich geben, d.h., es ist grundsätzlich Aufgabe der Eltern selbst, für ihre Kinder zu sorgen. Es ist Aufgabe der Politik, dafür die notwendigen Rahmenbedinungen zu schaffen durch eine niedrige Steuer- und Regulierungslast, d.h., eine minimale Zwangabgabe der Arbeitsfrüchte der Menschen. Nur bei dann noch wirklich Bedürftigen gibt es Unterstützung aus der Gemeinschaftskasse.

Bei diesem Modell wären Kinderbetreuungskosten steuerlich volständig absetzbar, was gleichzeitig eine gewisse logische Grenze einzieht, wenn nämlich die Betreuungskosten höher als der in der gleichen Zeit erarbeitete Lohn ist, rechnet sich das Arbeiten nicht. Die von Frau Dornheim implizit eingeforderte Subvention (via Kitazuschüsse aus der Staatskasse) von schierer Arbeitstätigkeit als solcher ("Es erscheint mir hingegen unfassbar absurd, dass Berufstätigkeit ein Privileg für Gutverdienende sein soll.") würde damit auf ein sinnvolles Maß begrenzt werden.

2. Sie könnte sich auf den Standpunkt stellen, dass die Gemeinschaft die Kinder inkl. Betreuung finanzieren sollte, sich also für eine Art erweitertes Kindergeld aussprechen. Dann aber bedeutet dies, dass den Eltern eine Summe gegeben werden muss (stellvertretend für die Kinder), die diese nach freiem Ermessen ausgeben können, entweder für sich selbst oder für eine Fremdbetreuung. Offenkundig besteht bei dieser Variante eine erhebliche Gefahr von steuergeld-verschwendenden Mitnahmeeffekten.

In beiden Fällen gilt: Im Falle einer Fremdbetreuung darf es sich dann aber um beliebige Konstellationen handeln, d.h., auch die Oma, Tagesmütter oder private Kindergärten/Kinderkrippen. In keinem Falle also darf eine Art staatliche Volksheim-artige Konstellation als Ziel ausgegeben werden, sondern die Eltern müssen selbst die freie Wahl treffen oder z.B. nachbarschaftlich eine Betreuung organisieren können.

Frau Dornheim tut aber weder das eine noch das andere, sondern fordert eine kollektivistische, von Funktionären dominierte Betreuungsinfrastruktur, die aus der Staatskasse zu bezahlen ist, mit implizit minimalem Einfluß seitens der Eltern. Sie fordert damit auch eine Minderung der Entscheidungsfreiheit der Eltern. Und auf der anderen Seite hält sie die Idee (Ideologie, wie manche sagen würden), dass auch Mütter mit Kleinkindern arbeiten gehen sollten, hoch und erklärt diese implizit für (alleinig) erstrebenswert, statt diese Entscheidung schlicht und einfach den Eltern selbst zu überlassen; letzteres tut sie zwar pro forma, aber aus dem Gesamttext spricht ganz klar ihre Einstellung zum Thema (wobei es interessant wäre, sie zu hören, wenn sie selbst tatsächlich mal kleine Kinder hat...).

Was das mit Piraten-Prinzipien zu tun haben soll, bleibt unklar. Aber wahrscheinlich ist sie nur ein Beispiel für die Unterwanderung der Partei mit Leuten, die diese nur zur Durchsetzung schon lange bestehender Gesellschafts-manipulierender Pläne nutzen wollen.

Leider kann hier keine vollständige Diskussion des ganzen Themenkomplexes geführt werden (z.B. die Spezialthematik des Spracherwerbs oder das Thema "frühkindliche Bildung"). Auf einen Aspekt soll aber noch hingewiesen werden: Es geht bei all dem nicht nur um Betreuung, sondern auch und zuvorderst um Erziehung, um Vermittlung von Werten, von Wissen, von Verhaltensweisen etc. Dies kann letztlich keine Kita wirklich leisten und schon gar nicht im Sinne der Eltern. Eine Kita, auch eine sehr gute, kann letztlich immer nur betreuen und höchstens nebenher erziehen. (Die einzige Art Erziehung, die dort mit Sicherheit stattfindet, ist die zur Hörigkeit gegenüber "Autoritäten", von kleinst auf werden die Kinder zum Kuschen, zum gelenkt-werden, zur Gleichförmigkeit, zum Kollektivismus angehalten, selbst dann, wenn die Erzieherinnen (so die Selbstbezeichnung dort) dies gar nicht so beabsichtigen.)

FAZ: Betreuungsgeld: Nennt es, wie ihr wollt, es ist Bevormundung, von Laura Sophie Dornheim
http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/betreuungsgeld-nennt-es-wie-ihr-wollt-es-ist-bevormundung-11797728.html

Kommentare

Bild des Benutzers franz dreesen

"...Mein Beruf ist Teil meiner Identität

Ich will nicht gezwungen werden, auch nur darüber nachzudenken, ob mir die monatelange Unterbrechung meiner Berufstätigkeit ein paar hundert Euro wert ist. In meine Ausbildung habe ich viel Zeit und der Staat viel Geld gesteckt, mein Beruf ist weit mehr als Broterwerb und Quelle für Steuereinnahmen, er ist ein essentieller Teil meiner Identität. Darauf für mehrere Jahre verzichten zu müssen würde meinem Kind eine sehr unglückliche Mutter bescheren.
Nun Frau Dornheim,ihr/ihre Kind/Kinder sind es ihnen nicht WERT unglücklich zu sein,aber ob IhrKind/Ihre Kinder glücklich damit ist scheint sie nicht so
sehr zu interessieren!
...Wer seine Kinder wirklich liebt, betreut sie zu Hause: Das scheint das realitätsferne Motto zur moralischen Erpressung junger zu Eltern sein.."
Wie Realitätsfern ist doch diese Aussage!Leider sind viele Eltern nicht in der Lage
-sei es aus wirtschaftlichen oder psychologischen Gründen-ihren Kindern das nötige Maß an Erziehung,Bildung & Menschlichkeit zu geben!
hoffentlich werden sie niemals Mutter werden!