Gauck-Gespräch von 2010: "Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen"



Aus aktuellem Anlaß bringt die Süddeutsche Zeitung nochmals ein Interview aus dem Jahre 2010:

Gauck-Gespräch von 2010 "Die Leute müssen aus der Hängematte aufstehen": http://www.sueddeutsche.de/politik/gauck-gespraech-von-die-leute-muessen...

Zitate hieraus:

"Die Leute müssen aus der Hängematte der Glückserwartung durch Genuss und Wohlstand aufstehen. Sie dürfen nicht erwarten, dass andere für sie agieren. Eine Gesellschaft wird umso zukunftsfähiger, je aktiver sich die Bürger darstellen. Die Hoffnung, dass wir durch Konsum allein glücklich werden und die Bürgerexistenz vernachlässigen können, die trügt."

"Wir haben eine sehr lange Tradition, politische und wirtschaftliche Macht zu analysieren und zu kritisieren. Diese Geschichte eines kritischen Umgangs mit der Mediendemokratie gibt es noch nicht. Wohl gibt es Medienkritik, aber zu wenig. Die Leute durchschauen Medienmacht weniger als wirtschaftliche oder politische Macht."

"Ich leite den Verein Gegen das Vergessen - für Demokratie. Er wurde gegründet von Menschen, die nicht zuschauen wollten, wie rechte Chaoten wieder auf den Straßen herumlärmen, ohne dass Bürger dagegen etwas sagen."

"Aber Schuld ist eine personale Dimension. Sie unschuldigen Generationen anzuhängen, ist ein törichtes pädagogisches und politisches Unterfangen. Viele aus der Achtundsechziger-Bewegung - und ich habe mich dazu phasenweise gerechnet - haben das gemacht. Wir haben gedacht, wir sind politisch nur korrekt, wenn wir auch Schuld empfinden."

"Stolz ist ein natürliches Gefühl. Wir dürfen uns mögen, für das, was wir können. Auch dieses Land. Aber wir brauchen dafür die jüngere Generation. Meine Generation kann das nicht, weil wir sofort in den Verdacht geraten, Kryptofaschisten zu sein."

"Auch Einwanderer müssen ihren Beitrag leisten. Das ist eine Zumutung, die wir bestimmten Milieus etwa aus den ländlichen Gegenden im Osten der Türkei abverlangen müssen. Aber wir dürfen die Menschen nicht ruhigstellen durch Versorgung. Das perpetuiert Abhängigkeit. Demokratie ist auf Mitwirkung angelegt. Im Gegensatz zur linken Propaganda muss klar sein, das wir den Menschen nichts Böses tun, wenn wir ihre Mitwirkung stimulieren und fordern. Darum bin ich für aktivierende Sozialpolitik."

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