Signifikant überdurchschnittlicher Rückgang der Wahlbeteiligung in Deutschland



"Bis auf Portugal ist die Wahlbeteiligung seit den achtziger Jahren nirgends so stark zurückgegangen wie in Deutschland. In Portugal sank sie um 19,7 Prozent, bei uns um 18,3 Prozent – und zwar auf Bundesebene. Bei Kommunal- und Landtagswahlen sieht es noch übler aus. Das ist kein Normalisierungsprozess, sondern ein signifikant überdurchschnittlicher Rückgang der Wahlbeteiligung. Das ist ein deutsches Phänomen. Nur interessiert die steigende Zahl von Nichtwählern hierzulande kaum jemanden. Die Parteien sagen entweder: Das ist in anderen Ländern auch so und deshalb nicht beunruhigend. Oder sie sagen: Wer nicht wählen geht, ist selbst schuld."

"Politik muss durch die Bürger legitimiert werden. Aber was, wenn die Legitimation immer geringer wird? An Wahlabenden sprechen Politiker von „bombastischen Erfolgen“ und „krachenden Niederlagen“, setzen ihre Stimmenanteile aber nicht ins Verhältnis zur Wahlbeteiligung. Das verärgert dann die tatsächlich stärkste Partei – die der Nichtwähler – noch mehr." "60 Prozent der Wähler gehen nicht mehr zur Kommunalwahl".

Bürgerliche Parteien "profitieren" von der Briefwahl: "Die Wähler von Grünen, Union und FDP wählen überdurchschnittlich oft per Brief: Bei den Grünen sind das 11,7 Prozent gegenüber 10,4 Prozent bei den Wählern in Wahllokalen, bei der Union 37,3 gegenüber 32,8 Prozent und bei der FDP 15,3 Prozent gegenüber 14,4. Die Wähler von SPD und Linken gehen dagegen lieber ins Wahllokal. Ohne  Briefwahl  könnte  die SPD rund ein Prozent mehr Stimmen ­bekommen."

[Hinweis: Manfred Güllner ist SPD-Mitglied.]

Motivierte Wähler: „Wählen ja – aber nur unter der Woche“
04.08.2012 05:04, von Claudia Lepping, Stuttgarter Nachrichten

http://www.stuttgarter-nachrichten.de/inhalt.motivierte-waehler-waehlen-...