Über das Gema-Elend: "Wehrt euch endlich!" - FAZ



"Wann verkehrt sich eine gerechte Idee ins Gegenteil? Und wann wurde aus der Gema ein Monolith, der Ungerechtigkeit auf zwei Seiten produziert? Heute herrscht jedenfalls Unzufriedenheit bei Urhebern und Nutzern der Musik."

Das Gema-Elend: Wehrt euch endlich!
12.09.2012, von Bruno Kramm, FAZ

http://www.faz.net/aktuell/feuilleton/das-gema-elend-wehrt-euch-endlich-...

"Als 1903 der Gema-Vorgänger Afma von den berühmten Komponisten Engelbert Humperdinck, Georg Schumann und Richard Strauss aus der Taufe gehoben" worden sei, sei die Intention "ehrenwerter Natur" gewesen, berichtet Bruno Kramm in seinem FAZ-Artikel, "mit der Forderung der Komponisten nach einem Zins der Eintrittsgelder zur Vergütung ihrer urheberischen Leistung" habe die "grundlegende Verbindung des Urheber- und des Wahrnehmungsrechtes" begonnen. Heute kenne "die lückenlose, nach Sparten getrennte Auswertung sämtlicher Nutzungsarten keine Grenzen": Gema-Gebühren fallen im Kino, Radio- und Fernseh-Rundfunk, bei der Herstellung von Tonträgern, bei digitaler Distribution, bei Livekonzerten, für die Privatkopie und die Vermietung, bei Aufführungen auf Straßen- und Stadtteilfesten, bei Trauungen und Beerdigungen, für jeden USB-Stick, für jedes Smartphone, jeden Computer, jeden Drucker, jeden Scanner "und jede nur denkbare Musiknutzung an." Noch nie sei im Namen der Urheber und ihrer Rechte mehr Geld von der Gema eingesammelt worden, als heute, "würde man das stetige Wachstum der Gema-Umsätze als Indikator für die Musikbranche heranziehen", "müsste man nicht nur die Musikindustrie Lügen strafen, sondern auch ihrem ständigen Wehklagen und Getöse um Kontrolle und Sanktionen von Kopien eine überzogene Selbstinszenierung attestieren." Dabei sollten der Ursprungsidee nach, "die Verwerter selbst weder an den Urheberrechtstantiemen noch an den verwandten Schutzrechten, kurz Leistungsschutzrecht - beteiligt werden." "Besonders die Verleger haben als eigene Berufsgruppe innerhalb der Gema klammheimlich die Satzung und Verteilungsstrukturen mitbestimmt", "jene Verleger, denen einst nur die Vermarktung von Musiknoten oblag", hätten sich inzwischen ein breites, lukratives Tätigkeitsfeld erschlossen und ließen "sich das häufig mit fürstlichen vierzig Prozent der Gema-Einnahmen honorieren und verdienen dabei mehr als der einzelne Komponist."

In der Gema regiere in nichtöffentlichen Sitzungen eine "Minderheit der fünf Prozent „ordentlichen“ Mitglieder", diese Minderheit könne die Satzung der GEMA verändern, Verteilungsschlüssel bestimmen "und sich neue Tarife für neue Nutzungsarten ausdenken", gesetzliche Regelungen erlaubten "jederzeit Tarife für verschiedene Nutzungsarten zu novellieren." Im Falle einer Ablehnung der Tarife durch den Musiknutzer, also beispielsweise Konzertveranstalter, oder Hersteller von Geräten oder Tonträgern, werde "eine Einigung vor dem Schiedsgericht des Patent- und Markenamts verhandelt. In der Zwischenzeit ist der Musiknutzer verpflichtet, die Differenz zwischen dem neuen und alten Tarif auf einem Konto zugunsten der Gema zu hinterlegen. Schiedsgerichtliche Einigungen führen häufig über Jahre durch den Irrgarten der Instanzen." Die Beträge addierten sich währenddessen zu "gigantischen Summen" und bedeuteten "für den im Vergleich zur Gema wirtschaftlich meistens unterlegenen Musiknutzer unkalkulierbare Mehrausgaben."

"Dieses Prozedere ist auch wesentlich für die verspätete Einführung neuer digitaler Geschäftsmodelle verantwortlich, denn die Gema forderte jahrelang Tarife für den Handel mit MP3s, die denen von physischen Tonträgern entsprachen. Für die Preisgestaltung digitaler Angebote unrentabel, wurde somit der Einzug eines revolutionären Musikangebotes in den Neunzigern verhindert und dem Monopolisten Apple danach der Markt überlassen. Der damalige Gema-Präsident Reinhold Kreile kämpfte" "seinen „Kampf gegen unsinnigen Wettbewerb“, während die junge Generation der „digital natives“ in den lizenzfreien, zumeist ausländischen Hostingangeboten ihre musikalische Kinderstube verbrachte. Auch heute schadet [die GEMA] "der Urheberschaft, die in Youtube ein modernes Gratiswerbemedium gefunden hat."

Das Gema-Elend: Wehrt euch endlich! - FAZ
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